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Freitag, 12. Juni 2026 Mediadaten
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Kreis Höxter (TKu). Mit dem Projekt „WindMusicLab“ geht in Höxter ein ungewöhnliches Vorhaben an der Schnittstelle von Musik, Wissenschaft und Bildung an den Start. Ziel des Projekts ist es, die Amateurmusik im Kreis Höxter zu stärken, neue Bildungsangebote im ländlichen Raum zu schaffen und zugleich aktuelle Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) praxisnah zu vermitteln. Träger und Ideengeber ist der Höxteraner Musiker Stefan Balke, der Forschungsergebnisse im Bereich der Musikinformatik mit seiner langjährigen Verbundenheit zur regionalen Blasmusik zusammenführt. Im Mittelpunkt des Projekts steht ein eigens zusammengestelltes Projektorchester mit rund 35 fortgeschrittenen Musikerinnen und Musikern. In mehreren Probentagen erarbeiten die Teilnehmenden unter der musikalischen Leitung von Björn Zimmermann zwei Schlüsselwerke der sinfonischen Blasorchesterliteratur: Gustav Holsts „First Suite in E-flat“ und „Second Suite in F“. Die Kompositionen gelten als Meilensteine des Repertoires und eignen sich laut Balke „aufgrund ihrer transparenten Instrumentation besonders gut zur Schulung von Klangbalance, rhythmischer Präzision und kammermusikalischem Zusammenspiel“.

Das Besondere an WindMusicLab liege jedoch nicht allein im musikalischen Anspruch. Parallel zur Probenarbeit entsteht ein Forschungsumfeld, in dem moderne Methoden der Musiksignalverarbeitung und künstlichen Intelligenz eingesetzt werden. Teile der Proben werden mit einem eigens eingerichteten Projektstudio aufgezeichnet. „Mehr als zwanzig Mikrofone erfassen dabei das musikalische Geschehen. Die Aufnahmen sollen als Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen dienen und langafristig einen Datensatz schaffen, der für die Entwicklung neuer Analyse- und Lernwerkzeuge im Bereich der Blasmusik genutzt werden kann“, sagt Stefan Balke.

Der Musiker, der auch beim Sinfonischen Blasorchester als stellvertretender Vorsitzender fungiert, verfolgt damit nach eigenen Angaben einen Ansatz, der seine wissenschaftliche Arbeit mit seinem ehrenamtlichen Engagement in der Region verbindet. Der promovierte Ingenieur forscht derzeit an den International Audio Laboratories Erlangen und arbeitet dort gemeinsam mit Professor Meinard Müller an Verfahren zur Analyse und Verarbeitung von Blasmusik mithilfe künstlicher Intelligenz. Ein zentrales Problem der Forschung besteht bislang darin, dass für sinfonische Blasmusik nur wenige geeignete Datensätze existieren. Während moderne KI-Systeme bei Popmusik bereits einzelne Instrumente zuverlässig erkennen und trennen können, fehlen vergleichbare Trainingsdaten für Blasorchester. Die im Rahmen von WindMusicLab entstehenden Aufnahmen sollen dazu beitragen, diese Lücke schrittweise zu schließen.

Balke ist in der Region kein Unbekannter. Nach einem Elektrotechnikstudium und seiner Promotion in Erlangen führte ihn sein beruflicher Weg über Stationen in Österreich, Paderborn und Hameln zurück an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Gleichzeitig blieb er der Blasmusik im Kreis Höxter stets verbunden. Seit seiner Kindheit musiziert er im Weserberglandorchester Bödexen, ist dort heute Co-Dirigent und engagiert sich zudem im Vorstand des Sinfonischen Blasorchesters Höxter.

Das Projekt wird mit rund 10.000 Euro vom Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen gefördert. Die Technische Hochschule OWL unterstützt die Initiative, indem sie Räumlichkeiten auf dem Campus Höxter für Proben und Veranstaltungen zur Verfügung stellt. Dort hat Balke seit Anfang des Jahres auch ein Projektbüro eingerichtet. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule versteht er als wichtigen Schritt zur Verknüpfung von Wissenschaft und kulturellem Leben in der Region.

Den Abschluss des Projekts bildet am 12. Juli ein öffentliches Matinéekonzert im Mauergarten des Botanischen Gartens Höxter. Neben den beiden Holst-Suiten erwartet die Besucherinnen und Besucher ein Begleitprogramm mit Kurzvorträgen zur Musik Gustav Holsts sowie zur Verbindung von Musik und künstlicher Intelligenz. Anschließend soll eine kleine Ausstellung Einblicke in aktuelle Forschungsthemen der Musikinformatik geben. Darüber hinaus sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Hochschulstandorts Höxter eingeladen, eigene Projekte zu präsentieren. Kaffee, Kuchen und Führungen durch den Botanischen Garten runden die Veranstaltung ab.

Für Stefan Balke ist WindMusicLab zugleich ein erster praktischer Schritt auf dem Weg zu einer größeren Vision: dem Aufbau eines Blasmusikzentrums Höxter. Dieses soll langfristig ein Ort werden, an dem Forschung, Bildung und Kultur zusammenkommen und gemeinsam neue Impulse für die Amateurmusik setzen. Das aktuelle Projekt versteht er als Pilotvorhaben, das zeigen soll, wie wissenschaftliche Erkenntnisse und musikalische Praxis voneinander profitieren können. Aus einer Idee auf dem Papier wird damit erstmals ein konkretes Angebot für Musikerinnen und Musiker sowie für die interessierte Öffentlichkeit in der Region. Fortsetzung folgt!

Fotos: Michael Fromme und Thomas Kube

 

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